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Hamburgs Reeperbahn hautnah

„50 Stunden für eine Perücke“ – Ein Blick hinter die Kulissen der Drag-Szene

Karl Gadzali entwirft Perücken für Hamburgs bekannteste Drag Queens – darunter Olivia Jones. Im Interview spricht er über stundenlange Handarbeit, kreative Prozesse und die Vielfalt der Szene.

Nike TecklenborgNike Tecklenborg 3 min St. GeorgStempel offen
„50 Stunden für eine Perücke“ – Ein Blick hinter die Kulissen der Drag-Szene
Interview mit Karl Gadzali

Nike Tecklenborg aus dem Team durfte ihn in seinen Räumlichkeiten in St. Georg besuchen und ihm einige Fragen stellen.

Nike: Karl, erzähl doch mal! Wie lange sitzt du denn an so einer Perücke?

Karl: Also, das ist unterschiedlich. Ich sag mal so mindestens sechs bis acht Stunden. Wenn es ein relativ einfacher Look ist. Aber natürliche Looks mache ich grundsätzlich nicht. Aber es geht schon mal bis fünfzig Stunden und mehr.

Nike: Fünfzig Stunden, also über eine Woche!

Karl: Und da ist noch nicht die Planung dabei. Das ist dann wirklich nur die reine Arbeit an der Perücke. Manchmal bis so ein Bauplan steht, kann es auch drei, vier Tage dauern. Aber ich muss immer wieder überlegen, weil ich jeden Schritt einmal durchgehen muss. Also kommen noch dazu bestimmt so zwölf Stunden Planung.

Nike: Diese ganze Arbeitszeit muss ja auch irgendwie bezahlt werden. Was kostet denn so eine Perücke bei dir?

Karl: Es geht los bei einem schlichten Look bei 600-700 Euro und dann geht es bis 4.000 Euro, je nachdem. Die Schiffsperücke würde ich unter 10.000 Euro gar nicht weggeben, aber eigentlich ist sie eh unverkäuflich. Man muss ja auch die kreative Idee mit bezahlen. Es sind alles Einzelstücke. Keine Perücke gibt es zweimal und das hat seinen Preis.

Nike: Und du arbeitest ja auch für die deutsche Drag Queen Nummer 1, Olivia Jones. Was ist denn das Coolste, was du mit ihr so erlebt hast bisher?

Karl: Es ist eigentlich jedes Mal wieder aufs Neue cool, weil Olivia sich ja ständig verändert. Und sie bringt mich halt auch überall hin, wenn irgendwo gedreht wird. Ich komme viel rum, das ist super und wir haben sehr loyales, freundschaftliches Verhältnis.

Nike: Und ich habe jetzt gesehen, du warst sogar beim Dschungelcamp dabei.

Karl: Also wir kommen dann immer nach Köln. Da ist dann eine Riesengarderobe - größer als meine Wohnung - voll mit Glitzerklamotten, voll mit Perücken, voll mit Schuhen. Und dann machen Barakat und ich noch mal den letzten Schliff an den Perücken und schauen mal, welches Outfit passt. Das sind zwei ganz, ganz tolle Tage mit Olivia.

Nike: Und was ist so für dich das Besondere an der Drag Kunst?

Karl: Es ist mittlerweile tatsächlich diese Perfektion. Es hat sich ja von diesem Travestie, was ja eher so Damenimitatoren waren oder sind, hin zu mehr Politischem entwickelt und es ist halt wahnsinnig ausdrucksstark. Und das, was ich mit diesen Perücken mache, ist natürlich für den Normalgebrauch überhaupt nicht brauchbar, also völlig unnütz. Aber es ist schon toll, dass Perücken jetzt auch Ausstellungsstücke sind.

Nike: Wie nimmst du denn die Drag-Szene in Hamburg so wahr? Wie sind die Leute drauf?

Karl: So wie Hamburg eigentlich auch ist, sehr locker, aber auch sehr politisch mittlerweile. Also es gibt auch in der Drag-Szene natürlich verschiedene Richtungen. Welche, die wahnsinnig politisch engagiert sind. Das ist dann halt so eher diese alternative Szene, die schminken sich auch gar nicht so krass. Und dann gibt es natürlich diese Showgirls, die natürlich von Head to Toe perfekt sind und auch live Gesang machen, also es ist sehr vielfältig. Es gibt auch nicht nur die Drag-Szene, es gibt da auch noch Untergruppierungen und verschiedene Richtungen. Es ist grenzenlos.

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