Mit der Veeh-Harfe Freunde finden in Hamburg?
Neu in Hamburg und Anschluss finden - aber wie? Nathalie wollte es mit Musik versuchen und hat die Veeh-Harfe entdeckt: ein Instrument, dass wirklich jeder spielen kann - auch ohne Notenkenntnisse. In unserer Livesendung spielt Nathalie getreu dem Motto "von Null auf Moin" erstmals vor Publikum.

Nathalie Prott: Ich darf zu meiner großen Freude heute in der Jungen Musikakademie Hamburg sein, und zwar in der Zentrale, könnte man sagen. Und ich bin hier mit Ute Martin. Sie sind die Leiterin, wenn ich das richtig verstanden habe. Hallo?
Ute Martin: Hallo. Guten Tag. Ja, Mein Name ist Ute Martin. Ich bin Leiterin der Jungen Musikakademie Hamburg und wir befinden uns hier im Haupthaus im schönen grünen Hamburg Bergstedt. Und ich selbst habe Musik studiert, klassische Gitarre, auch mein Solistendiplom dafür gemacht, auch elementare Musikpädagogik studiert und vor langen, langen Jahren auch eine Ausbildung zur Orff Musiktherapeutin gemacht. In München seinerzeit bei Gertrud Orff, der ersten Frau des berühmten Carl Orff. Und das war vielleicht auch ein bisschen der Weg, wie ich zur Veeh-Harfe gefunden habe, Die Veeh-Harfe hat ja Hermann Veeh seinerzeit für seinen Sohn entwickelt, der an Trisomie21 erkrankt war und er sich dachte: "Mensch, der Junge soll aber trotzdem Musik machen." Und so können wir Herrn Hermann Veeh wirklich sehr dankbar sein, dass eben auch Menschen mit Einschränkungen oder Senioren, die vielleicht nach einem Schlaganfall nur noch zwei Finger nutzen können, trotzdem richtig musizieren können. Und das finde ich großartig. Und deswegen bin ich auch ein Fan dieser Veeh-Harfe weil sie zum gemeinsamen Musizieren auf motorisch gesehen einfache Weise, aber inhaltlich ganz bereichernde Weise eben zum Musizieren einlädt.
Nathalie: Ich habe das selber auch gesehen. Tatsächlich. Und ich hatte als Kind auch Schwierigkeiten mit meiner Motorik, weswegen ich allerdings bei der Physio war. Ich habe zum Ersten Mal. Ja, Ich habe zum Ersten Mal von der Veeh-Harfe erst in meiner Arbeitszeit gehört, weil ich mir gedacht habe, "ich möchte mal was anderes machen" und habe dann ganz blauäugig eine Google Suche gemacht und habe gesehen, es gibt bei uns in der Nähe eine Veeh-Hafengruppe von der AWO und hab mir gedacht, "Das habe ich noch nie gehört. Das möchte ich mir mal angucken." Ja, genau so war das bei mir. Wenn ich jetzt Junge Musikakademie höre, denkt man natürlich erst mal an Kinder. Aber das ist ein Instrument, was auch wirklich gut, wie Sie schon gesagt haben, für Seniorinnen geeignet ist. Oder vielleicht wie Menschen wie mich, die sich das irgendwie so gar nicht zutrauen, keine richtige musikalische Vorerfahrungen haben. Aber sagen Sie doch einfach mal was für Schüler kommen hierher? Von null bis neun und neunzig hoffe ich mal!
Ute Martin: Ja, das ist immer so ein Werbeslogan, wo ich denke "Na, wenn man das mal Nachprüfen würde, würde es vielleicht nicht aufgehen." Bei uns sind die jüngsten Schüler tatsächlich anderthalb Jahre alt, und die machen noch die elementare Musikpädagogik mit viel Singen, Bewegungen, Entwicklung der Feinmotorik. Aber unsere älteste Schülerin ist tatsächlich 96 Jahre alt und das finde ich ganz großartig, dass sie eben auch musiziert. Und natürlich Veeh-Harfe in einer Senioreneinrichtung. Wir haben einige Kooperationen mit Senioreneinrichtungen und da unterstützt eben auch die Firma Veeh Gruppen, in dem eben ganze Gruppen-Sätze von diesen Instrumenten, die eben doch auch recht wertvoll und damit auch kostspielig sind, gemietet werden können.
Nathalie: Und wie ist das so für Sie? Vielleicht können Sie sich zurückerinnern, wenn Sie diese Kooperation machen. Wie reagieren die Schülerinnen auf dieses besondere Instrument? kann man sich da.... Also gibt es da so einen richtigen "Aha!" - Moment, den Sie selber dann auch bei den Teilnehmern beobachten können?
Ute Martin: Wenn ich die Teilnehmer erst mal soweit habe, dass sie ihre Hände aus den Taschen holen und tatsächlich den Mut haben, die Saiten anzuzupfen und nicht immer denken, sie würden was falsch machen können. Dann habe ich ein ganz glückliches, strahlendes Gesicht, in das ich schauen kann. Tatsächlich ist unser Bestreben auch der älteren Generation, ich muss tatsächlich so sagen mehr Mut zu machen, Zutrauen zu geben, dass sie das auch können. Und ich kann wirklich jedem versprechen, dass er es kann. Es ist nur die eigene Überwindung zu sagen "Ja, ich probiere das aus. Und ich gebe mir auch den Raum, dass es womöglich nicht klappen könnte." Aber ich würde mir wünschen, dass die Menschen ganz viel Zutrauen in ihre Fähigkeit haben und offen an das Instrument rangehen. Und dann kann ich tatsächlich versprechen, dass es klappt. Ein Instrument mit ein hundert Prozent Erfolgsgarantie. Wo gibt es das?
Nathalie: Und da sind wir ja eigentlich auch schon bei dem Thema von unserem Podcast: Wir sind auch neu in Hamburg und wollen den Leuten Mut machen, neue Dinge auszuprobieren. In meinem Fall wird das eben sein, dass ich hoffentlich ein kleines Stück erfolgreich auf der Veeh-Harfe spielen kann. Aber ich würde gerne noch mal darauf zurückkommen, weil wir es ja jetzt nicht auf Band haben. Sie sind autorisierter Veeh-Harfe Partner. Was genau bedeutet das konkret?
Ute Martin: Das bedeutet, dass wir Fortbildungen gemacht haben, also wir Musikerinnen sind und meine Kollegin Anja Michely und ich tatsächlich nach Ochsenfurt gefahren sind, dort eine Fortbildung gemacht haben, selbst Noten bearbeiten können für die Veeh-Harfe und eigentlich schlichtweg alle Tipps und Tricks rund um dieses Instrument kennen. Und das eben auch vor allen Dingen gerne weitergeben wollen. Auch Fortbildungen gemacht haben bei Professor Dr. Theo Hartog, der gerade in der Demenzforschung, demenzieller Erkrankung und Musik sehr viele Dinge weitergegeben hat, die wir entsprechend auch umsetzen.
Nathalie: Ich merke schon, Sie haben sich richtig viele Gedanken gemacht, welche Instrumente oder welches Instrument in dem Fall Sie mit ins Programm der Musikschule aufnehmen.
Ute Martin: Richtig. Also wir bieten praktisch fast alle Musikinstrumente an und vom Anfänger, vom absolut blutigen Anfänger, der vielleicht auch nur zweimal in der Woche für zehn Minuten üben kann bis zu den "Jugend musiziert!"-Preisträgern oder den Jugendlichen, die tatsächlich auch Musik zu ihrem Beruf machen möchten. Und dementsprechend sind auch die Lehrer ausgewählt, die alle auch hier mindestens ein Studium der Musik absolviert haben, oft Konzertant tätig sind, aber das Unterrichten, den Austausch mit den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eben auch lieben. Das ist eine Sache, die uns ganz wichtig ist, dass hier jeder mit seinen Bedürfnissen an die Musik wirklich abgeholt wird.
Nathalie: Vielleicht können wir da ja auch noch mal drüber sprechen. Wie genau kann ich mir diese Zusammenarbeit eben auch mit den Händlern und den Lehrern vorstellen, wenn es um Leihinstrumente geht? Also ich hatte, glaube ich, gelesen, dass sie ja auch gucken, dass Familien mit geringem Einkommen beispielsweise unterstützt werden.
Ute Martin: Das sind jetzt eigentlich ganz viele Fragen. Also die Lehrer bei uns, die Lehrkräfte, sind alle fest angestellt und die freuen sich letztendlich, dass die Organisation im Hintergrund ziemlich gut läuft und dass wir da viele zusätzliche Dinge haben. Das heißt, wir haben ungefähr einundzwanzig Ensembles vom Sinfonieorchester bis zum Gitarrenorchester oder Band Bigband. Also das ist die eine Sache. Das zweite ist, dass wir sehr viele Instrumente im günstigen Verleih haben. Das heißt, es muss auch keine Kaution oder ähnliches bezahlt werden und die Instrumente dürfen über einen Probemonat hinaus auch wirklich gemietet werden, werden dann richtig mit nach Hause genommen, so dass alle auf dem. Oder derjenige, der es gemietet hat, eben auf dem Instrument auch zu Hause üben kann. Und da haben wir von der Bassflöte über E-Pianos, klassische Gitarre, E-Gitarre, Geige, Cello, ach alles. Wir haben sogar Kinder-Kontrabässe. Bei der Veeh-Harfe sieht es nun wie folgt aus, dass der normale Händler - und der Händler hier in Hamburg ist "das Schallloch", die auch wirklich ganz hervorragende Gitarren verkaufen, dass "das Schallloch" eben als Verkaufshändler fungiert und die haben wirklich auch viele schöne Instrumente vorrätig. Und die Veeh-Harfe gibt es ja als Basismodell mit nur achtzehn Saiten oder Standardmodell natürlich sogar noch das Solo-Modell. Aber der Einstieg ist erfolgt eigentlich fast immer über das Standardmodell der Veeh-Harfe mit 25 Saiten. Aber wenn das ein schönes Modell ist, eben tatsächlich auch aus reinem massivem Fichtenholz mit Ahornholz gebaut, mit Rosette, mit allem drum und Dran. Da sind viele, viele Stunden Handarbeit drin, so dass dieses Instrument dann tatsächlich schon bei knapp 1000 Euro liegt. Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass man vielleicht einen Kurs belegen möchte, wo man einmal so erst mal die Veeh-Harfe schnuppert, sozusagen, dann hat die Firma Veeh hierfür ein tolles Modell entwickelt, nämlich dass ein ganzer Satz, bestehend aus acht Instrumenten, gemietet werden kann für die Kursdauer von ein, zwei oder drei Monaten. Und dann kostet die Miete 27 Euro. Und das ist wirklich ein niederschwelliges, denke ich, niederschwelliges Angebot. Unser Verein "Musik und Bildung" unterstützt tatsächlich Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei der. Beim Bezahlen des Musikunterrichtes, manchmal auch bei der Anschaffung oder bei der Miete. Aber vor allen Dingen leistet der Verein "Musik und Bildung", ein gemeinnütziger Verein, natürlich Zuschüsse bis zu siebzig Prozent an die Unterrichtsgebühr. Natürlich auf Nachweis, wie es eigentlich bei allen gemeinnützigen Vereinen auch ist.
Nathalie: Ja, das hört sich auf jeden Fall sehr Niederschwellig an. Jetzt würde mich noch interessieren - über die Kurse. Darüber hinaus ermöglichen Sie den Teilnehmerinnen vielleicht auch - weiß ich nicht - Konzerte oder Veranstaltungen, wo die Harfe im Mittelpunkt steht.
Ute Martin: Wir haben viele Konzerte, feste Events, sage ich mal, weil das das Musikschulleben einfach lebendig macht. Also wir haben eine Erwachsenenmatinee zweimal im Jahr, wo die Erwachsenen ab 21 Jahren praktisch so ein bisschen unter sich sind. Wir haben natürlich Saalvorspiele und wir haben, was jetzt zu Ihrer Frage vielleicht am besten passt, auch ein Fest der Gitarre und Harfe. Also zusätzlich zu den allgemeinen Konzerten, die ungefähr fünfzehn Mal im Jahr stattfinden, Weihnachtskonzerte, Benefizkonzerte gibt es eben auch Fachbereichsfeste, das heißt "Fest der Streicher, Fest der Tasten". Aber die Harfe hat ja logischerweise keine Tasten und man pustet auch nicht in sie rein, sondern sie ist ein reines Zupfinstrument und daher findet die Harfe besondere Beachtung beim "Fest der Gitarre und Harfe", wo aber eben von der Gitarre zur klassischen Konzertgitarre bis zur großen Konzertharfe, aber eben auch die Veeh-Harfe zu finden ist. Und da gibt es Workshops an den Tag, dass man vielleicht da schon mal wieder einen Auftakt hat, um zu sagen "Ja, das Instrument habe ich ja neu für mich entdeckt. Damit möchte ich jetzt beginnen."
Nathalie: Wissen Sie, spontan aus dem Kopf, wann das nächste stattfindet?
Ute Martin: Das findet am... im November statt. Ich glaube, es war der 13. November. Aber auf unserer Homepage www.junge-musikakademie-hamburg.de werden Sie das finden? Spätestens nach den Sommerferien wird es dort drauf sein. Es ist immer ein Sonntag, damit wir die..... Die Feste, die Fachbereichsfeste, damit wir nicht in Konkurrenz zu den vielen anderen schönen Veranstaltungen, die es so gibt, stehen. Aber im November wird es den "Tag der Gitarre und Harfe" geben.
Nathalie: Verständlich. Wir können das auch gerne noch mal nachschauen. Ich will die Rolle der Veeh-Harfe auch gar nicht kleinreden, aber das Schöne ist ja, dass sie eben quasi überall mit hin kann. So ein Klavier oder ein Schlagzeug kann man nicht mal eben irgendwo mit hin nehmen. Es ist also eigentlich auch ein sehr schönes Begleitinstrument, würde ich sagen. Wenn man zum Beispiel wie Herr Veeh mit seiner Familie Musik machen möchte.
Ute Martin: Richtig, Es ist ein Instrument, das sich wunderbar eignet zum gemeinsamen Musizieren, zum familiären Musizieren. Da muss man leider Gottes sagen, dass in Süddeutschland, Bayern, Baden Württemberg, wo ich sehr lange Jahre, lange Jahre gelebt habe, die familiäre Kultur des häuslichen Musizierens viel ausgeprägter ist als in Norddeutschland. Und gerade die Harfe eignet sich so unglaublich gut dafür, weil dieses Instrument ganz einfach transponiert, also in andere Tonarten ein Stück spielen kann. Das heißt, wenn als Beispiel die Freundin oder Enkelin Blockflöte spielt und in Dur ohne jegliche Vorzeichen ein Stück spielt. "Alle meine Entchen" und man möchte das so gerne auf der Harfe begleiten, dann stellt man dieses Blatt, das hier unten so einen Strich hat, einfach auf das die Seite und die Saite C findet man, weil einfach das C unter der Saite steht und schwuppdiwupp hat man ein Stück plötzlich nach C-Dur transponiert. Das klingt dann so als Beispiel. Wenn man jetzt das Stück aber nach G-Dur mit einem Kreuzchen transponiert, Dann würde das in der herkömmlichen Notenschrift ganz schön kompliziert zu sehen sein, weil da eben da vorne dann so ein paar Kreuzchen, ein paar "Feinde"* stehen. Aber jetzt habe ich das Blatt einfach auf G verschoben und das Stück klingt so. Jeder Gitarrist, jeder Pianist weiß, wie schwierig es ist, ein Stück plötzlich in einer anderen Tonart zu spielen. Mit der Veeh-Harfe ist das sofort möglich, so dass so unkompliziert gemeinsam musiziert werden kann. Der Klang ist angenehm. Es ist nicht zu laut, nicht zu leise, nicht zu hell, nicht zu dunkel. Das ist wunderbar von der Tonhöhe und das fühlt sich gut an und selbst wenn jemand sagt, er mag es an den Fingerkuppen nicht so gern, eine Saite anzufassen, da hat Veeh eine... ein Plektron entwickelt. Aber dieses Plektron ist aus Filz, fühlt sich also ganz angenehm an und hat einen ganz weichen Sound. Auch. Also Sie hören mich schwärmen. Ich finde das wirklich einen ganz tollen Weg zum gemeinsamen Musizieren.
Nathalie: Ich schwärme ja auch. Ich habe es für eine Stunde ausprobiert und habe mir sofort gesagt "Das ist es!" Ich hätte mir am liebsten gleich eine selber gekauft. Aber wie gesagt, ich habe absolut keine musikalische Vorerfahrung. Ist das bei der Veeh-Harfe wirklich so einfach? Ich hole sie aus dem Beutel raus, stell sie auf und sie ist sofort einsetzbar. Oder muss man da noch irgendwas beachten?
Ute Martin: Also sie ist tatsächlich sofort einsetzbar, aber ich denke, ein Einsteigerkurs und sei es vier Termine ist sinnvoll. Dann weiß man, wie man das Instrument zu Hause selber stimmen kann, damit das, was man vielleicht richtig spielt, auch tatsächlich schön klingt. Weil das wissen wir, wenn ein Instrument komplett verstimmt ist, dann kann ein fantastischer Musiker dran setzen. Es wird trotzdem nicht klingen. Und in so einem Kurs, selbst wenn es ein kurzer Kurs ist über nur vier Termine, kann man einfach alle seine Fragen loswerden. Man ist ja ein bisschen unsicher und man merkt ja, dass man ein schönes, feines Instrument da stehen hat. Und da kann man ja verstehen, das ist eine ganz kleine Hemmschwelle gibt, einfach in den Laden zu gehen, zu kaufen und sagen "So, jetzt mache ich das mal!" Aber eigentlich ist es möglich. Und wichtig ist, dass das Instrument erstmal gestimmt wird. Dafür gibt es elektronische Stimmgeräte und einen Stimmschlüssel. Das ist ziemlich selbsterklärend. Dann muss man wissen, wie man einfach gut diese Blätter drunterlegt. Dann gibt es am Anfang kleine Trefferübungen, damit man nicht gleich die Punkte hat, sondern erst mal überhaupt eine Vorstellung über die Saiten hat. Die Anordnung der Saiten nach dunkel und hell und ähm, ja, diese Kleinigkeiten, damit man weiß, mit welchem Teil des Fingers man anspielt, was vielleicht besonders günstig ist, was vielleicht eher ungünstig ist. Oder dass man vor allen Dingen nach individuellen Lösungen sucht, weil jeder ist ja anders in seinen Fähigkeiten, in der Situation, in der er gerade ist. Und dafür sind solche kleinen Einstiegsworkshops, glaube ich, wirklich günstig.
Nathalie: Das stimmt. Ich hatte. Ich hatte als erstes mit dem Daumen gespielt. Aber es geht mit den Zeigefingern deutlich einfacher.
Ute Martin: Richtig. Das denke ich auch. Aber wenn jemand vielleicht mit den Fingern, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger Schwierigkeit hat, dann findet man eine Handhaltung, wie man es gut mit den Daumen spielen kann. Ich fand es so wirklich unglaublich erhellend und war völlig begeistert davon zu sehen. Bei Senioren auch, die vielleicht wirklich stark eingeschränkt sind, womöglich im Rollstuhl sitzen, einen Schlaganfall womöglich mehrere hatten, starke Arthritis hatten. Die sind ganz oft im musikalischen Bereich plötzlich reduziert auf Klanghölzer und Rasseln. Und das finde ich, das hat mich sehr betroffen gemacht, als ich das gesehen hatte vor vielen Jahren und habe das auch bei meiner Tante gesehen, einer hochintelligenten Frau, die aber körperlich dann im hohen Alter leider eingeschränkt war und sich wirklich gar nicht ernst genommen fühlte mit diesen Rasseln und Klanghölzern. Und das war mir auch total peinlich, das so zu erleben. Und dann hatte ich eben die Veeh-Harfe entdeckt und dachte mir, diese Fähigkeiten, die auch betagte Menschen doch oft noch haben, können sie tatsächlich mit der Veeh-Harfe ausleben und sie fühlen sich damit viel angemessener behandelt und gesehen. Und das finde ich ganz wichtig.
Nathalie: Kommt mir selber auch bekannt vor. Ich wurde dann irgendwann zur Triangel degradiert und selbst das hat bei mir nicht funktioniert. Also mein Partner musste mir noch den einen Ton, den ich spielen durfte im Musikunterricht auf den Fuß treten, damit ich den auch in dem ganzen Orchester überhaupt merke, wann ich dran bin, tatsächlich. Genau.
Ute Martin: Und das finde ich, das ist mir eine Herzensangelegenheit, jeden Menschen dort abzuholen, wo er ist, und für ihn individuell einen Weg zu seiner Musik zu finden.
Nathalie: Und wie schaffen Sie das dann tatsächlich? Um noch mal auf den Anfang zurückzukommen, die Leute dazu zu bewegen, die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen. Also ich kann mich auch noch an meine erste Stunde erinnern. Da hatten wir jemanden, der spielte immer nur mit einer Hand. Und wir sagten dann immer "Ja, Mensch, ist die andere Hand irgendwie festgewachsen an der Hosentasche? Nehmen Sie die doch mal raus, es geht doch einfacher, wenn Du es mit beiden Händen machst.
Ute Martin: Dann soll die betreffende Person erst nur mit einer Hand spielen. Ich finde, das macht es nicht leichter, wenn man dann immer wieder sagt "Nun nimm doch mal die Hand dazu und nun mach das doch mal!"... Dann, das weiß man ja bei anderen Gelegenheiten im Leben, dann wird man manchmal noch fester, wenn man so vehement aufgefordert wird. Ich glaube, wenn dann eben ein Erfolgserlebnis wenigstens mit einer Hand passiert, dann wird sich der Mensch entspannen und irgendwann bereit sein, vielleicht das Gleiche mit der anderen Hand zu machen. Und die eine geht vielleicht in die Hosentasche und irgendwann kommt der Moment, dass doch beide Hände rauskommen. Ich glaube, erstmal abholen, ihn empfangen, ihm ein sicheres Gefühl geben. Ihn annehmen, wie er ist. Und dann wird es nach einer Weile sich entwickeln, darauf bestehen: "Du musst das jetzt so machen!", ist glaube ich ein schlechter Berater.
Nathalie: Ich merke schon, hier ist wirklich sehr viel bedürfnisorientiert... auch gemacht. Das ist ja ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.
Ute Martin: Das freut mich. Aber das ist uns allen wirklich eine Herzensangelegenheit. Wir sind ja eine Musikschule, die anerkannt ist von den Kultusbehörden in Hamburg und Schleswig Holstein. Aber dennoch kommt in kompletter Trägerschaft sich befindet. Das hat ganz schön viele Nachteile, gerade auch so durch die Festanstellung, die wir bei allen unseren Lehrkräften haben und gar keine finanzielle Unterstützung zu bekommen. Es hat aber auch ein paar feine Seiten, nämlich dass alle unsere Lehrer handverlesen hier sind und wirklich nur die Lehrkräfte hier unterrichten, die diese Sichtweise auf den Menschen haben und wirklich voller Überzeugung unterrichten, gerne unterrichten, individuell unterrichten, auch wenn sie plötzlich am Wochenende in der Elbphilharmonie in der Laeiszhalle beim Dockville-Festival trotzdem auch dabei sind und natürlich auch wahnsinnig gerne Schülerinnen unterrichten, die wirklich auch genauso wie sie dafür brennen, das Instrument toll zu spielen. Aber das ist nicht die einzige, äh. Nicht die einzige Messung, nach der es geht, sondern es geht darum, Der Mensch steht im Mittelpunkt. Das ist, darum geht es uns allen.
Nathalie: So wird ja auch jeder abgeholt, weil ich meine, Sie können jetzt. Sie hätten jetzt auch Lehrer haben können, die gesagt hätten, so unter fünfzehn Leuten, unterrichte ich keinen, aber Sie werden vielleicht für das Instrument gerade auch keine fünfzehn Leute finden, weil es eben noch so unbekannt ist, würde ich behaupten. Und so kann sich dann eben auf eine feine kleine Gruppe konzentriert werden und jeder kann seinen individuellen Stärken und Schwächen einbringen.
Ute Martin: Richtig. Also fünfzehn Leute auf einmal würden wir gar nicht unterrichten wollen, weil dann haben wir ja diese Chance gar nicht mehr. Insofern bin ich da sehr d'accord mit der Einstellung der Firma Hermann Veeh, die eben sagt "Für eine Gruppe leihen wir acht Instrumente aus!". Und das finde ich eine wunderbare Größe zwischen fünf bis maximal acht Teilnehmerinnen. Für sechzig bis neunzig Minuten eher neunzig Minuten durch das Stimmen der Instrumente und man will ein bisschen Zeit auch zwischendurch, eventuell sogar für ein Schwätzchen haben. So was darf nämlich auch sein. Und das trägt auch zu einer guten Atmosphäre bei. Und wenn alle beschwingt nach Hause gehen, vielleicht das Instrument sogar mit nach Hause nehmen, um dort zu musizieren. Ja, was wollen wir denn mehr? Das ist doch genau das, was wir alle erreichen wollen.
Nathalie: Und jetzt, bei dem schönen Wetter, könnte man das sogar draußen machen.
Ute Martin: Ja, richtig. Nicht in der prallen Sonne. Es sind gute Instrumente. Vollholzinstrumente. Eben kein Furnier* oder so! Die reagieren natürlich entsprechend auf Luftfeuchtigkeit, auf Hitze. Aber das tut den Menschen ja auch nicht gut, unter praller Sonne zu sitzen also. Aber bei dem Wetter? Nur zu. Rauf auf die Terrasse. Und auch das ist vielleicht eine Sache. Es wird den Nachbarn nicht stören. Es ist ein so zartes, wohlklingendes Instrument. Das wird den Nachbarn vielleicht eher aus der Deckung locken, dass er neugierig wird, was sie da machen. Falls Sie Lust haben, das Instrument selbst zu spielen.
Nathalie: Ja, das stimmt natürlich. Wenn man jetzt einen Nachbarn hat, der irgendwie Posaune spielt oder vielleicht gerade erst mit Geige anfängt, macht man sich vielleicht nicht gerade so beliebt. Ich meine, gut. Ich wohne jetzt aktuell im dritten Stock in der Dachgeschosswohnung. Da störe ich meine Nachbarn hoffentlich auch nicht, wenn ich das Instrument mit nach Hause nehme zum Üben.
Ute Martin: Aber auch da sollte man nicht vergessen, dass das deutsche Gesetz vorsieht, dass man zwei Stunden am Tag sein Instrument üben darf, zwischen 8 und 12 Uhr 30 und zwischen 15 bis 20 Uhr. Ich denke, für ein angenehmes Miteinander, eine nachbarschaftliches Verständnis sollte man, wenn nebendran das Baby schläft, um abends um 18 Uhr muss man nicht von 19 bis 20 Uhr Posaune üben, sondern muss man ein bisschen schauen, dass man vielleicht dann in einen anderen Raum geht oder vielleicht einen Dämpfer aufsetzt oder so, aber man sollte als Musizierender nicht immer das Gefühl haben, zu stören. Das ist keine gute Idee. Dazu kann ich vielleicht zum Schluss eine lustige Anekdote erzählen. Ich bin als Studentin leider häufiger umgezogen, weil ich das Gefühl hatte zu stören, manchmal ein bisschen Schwierigkeiten mit der Nachbarschaft hatte, allerdings auch eine Nachts-Überin war ist schon lange her. Das kann ich auch im Nachhinein verstehen. Ich erinnere mich aber, als ich einmal umgezogen bin, dass meine Nachbarin rauskam und sagte "Ute, du ziehst doch nicht etwa aus?" Und dann sage ich "Na ja, doch!... Und habe was anderes gefunden." "Das ist so schön, wenn wir abends im Bett liegen und du spielst Gitarre. Das werden wir aber vermissen." Reden Sie miteinander. Manchmal stören Sie vielleicht gar nicht, auch wenn Sie das womöglich denken.
Nathalie: Ich habe unheimlich viel heute schon wieder gelernt. Und ich würde mich noch viel mehr mit ihnen unterhalten, wenn wir die Zeit dafür hätten. Aber ich muss mich an dieser Stelle erst mal bedanken.
Ute Martin: Das freut mich! Es hat mir total Spaß gemacht. Ich fand die Fragen so schön und ich hoffe, dass ich ihnen allen Mut gemacht habe, ihren Weg zur Musik zu finden und natürlich gerne zur wunderschönen Veeh-Harfe.
Nathalie: Vielen Dank. Im Idealfall würde ich jetzt direkt ein Stück spielen, aber das sehe ich ja erst in unserer tatsächlichen Livesendung am 23. April um 19 Uhr.
Dieses Interview wurde am 8. April 2026 von Nathalie Prott in der Jungen Musikakademie Hamburg geführt. Wir bedanken uns bei der Jungen Musikakademie und der Firma Veeh für ihre Unterstützung.
Anmerkung der Redaktion: Der Begriff „Feinde“ ist kein offizieller musiktheoretischer Fachbegriff in der Notenschrift. Oft wird er jedoch scherzhaft oder umgangssprachlich für Versetzungszeichen (Kreuz, B) verwendet, da diese die Tonhöhe verändern und das Notenlesen erschweren können.
Furnier ist ein hochwertiges Naturmaterial, bestehend aus dünnen Holzblättern, die durch Messer- oder Sägeverfahren von einem Baumstamm gewonnen werden. Es dient dazu, günstigere Trägerplatten (Spanplatte, MDF) zu veredeln, was eine ökologische, ressourcenschonende Alternative zu Massivholz darstellt.
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Nathalie Prott